Die NDR Bigband

Bild: Michael Zapf | NDR
Bild: Michael Zapf | NDR

Die Solistenband
Seit über 40 Jahren ist die NDR Bigband als Jazz-Orchester eine Instanz. Entstanden aus den Wurzeln eines reinen Rundfunk-Ensembles hat sie sich seit den 70er-Jahren zu einer Band entwickelt, die nicht nur ein umfassendes Jazz-Repertoire bedient, sondern auch eigene Impulse setzt, Genregrenzen erweitert, mit Weltstars auftritt und diese zu Konzerten in alle Ecken Norddeutschlands holt. Die NDR Bigband lebt von starken Persönlichkeiten mit unverwechselbarer Biografie, eigenen Stärken, Vorlieben und Abneigungen. Jeder einzelne Musiker ist ein Meister seines Fachs – und keiner wie der andere. Aber in einem sind sie sich einig: Was zählt, sind der Sound, der Groove, die Melodie – die Musik eben. Für die brennt die Band mit Haut und Haar – und das ist zu spüren, wann immer sie auf der Bühne steht. Als Ensemble des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bewegt sich die Arbeit der NDR Bigband zwischen verschiedenen Schwerpunkten: Einerseits gilt es, das musikalische Erbe aus einem Jahrhundert Jazz-Geschichte zu pflegen, andererseits am Puls der Zeit zu bleiben, was aktuelle musikalische Entwicklungen angeht. Egal, ob geballte Bläserpower oder zarte Klänge gefragt sind, knifflige lateinamerikanische Rhythmen oder stampfende Beats. Es gibt kaum eine Stilrichtung, kaum eine Crossover- Schnittstelle, die die NDR Bigband nicht bereits ausgelotet und sich zu eigen gemacht hat - von den immer wieder speziell für die Band komponierten Programmen ganz abgesehen. Seit Herbst 2016 hat sie mit dem norwegischen Saxofonisten, Komponisten und Bandleader Geir Lysne einen neuen Chefdirigenten. Er steht für den unbedingten Willen zur musikalischen Weiterentwicklung, wobei er gleichermaßen die Kraft hat, diese mit höchsten Ansprüchen voranzutreiben, wie die Fähigkeit, den Musikern mit seiner freundlichen und gelassenen Art den nötigen Raum zu geben, diesen Weg als gemeinsamen Prozess zu gestalten. Geir Lysne folgt auf Jörg Achim Keller, der die NDR Bigband als Erster Gastdirigent weiter begleiten wird.

Zahlreiche Einladungen zu Festivals und ins Ausland, mehrere sowie über 60 Tonträger- Veröffentlichungen in den letzten Jahren stehen für sich. Bei durchschnittlich rund 20 Projekten mit mehr als 60 Konzerten jährlich ist die Taktung dicht und präzise: Am einen Tag Probe, am anderen Aufnahmen für eine CD-Produktion, dann auf Konzerttour und im Anschluss mit frischen Ohren an das nächste Programm. Wer auf diesem Niveau Musik macht, weiß auch, wie wichtig es ist, den Nachwuchs möglichst früh für den Jazz zu begeistern und bei der Entwicklung zu unterstützen. Deshalb gehören Familienkonzerte nicht nur fest in den Spielplan, die NDR Bigband, entwickelt zusätzlich eigene Programme für Kinder. Auch der direkte Austausch mit jungen Musikern ist der Band wichtig. So besucht sie jedes Jahr Schul-Bigbands in ganz Norddeutschland, um mit ihnen – zu Gast in Schulaula oder Sporthalle - ein gemeinsames Konzert zu spielen. Außerdem lobt die NDR Bigband Nachwuchswettbewerbe aus und arbeitet mit dem Jazz- Bereich der Hamburger Musikschule für Musik und Theater zusammen.

Alon & Joca

Bild: Victor Muper
Bild: Victor Muper

Die Geschichte dieses Duos begann vor zwanzig Jahren. Damals war Joca Perpignan gerade in Boston eingetroffen, wo er am renommierten Berklee College Jazz studieren wollte. Und weil er aus Rio de Janeiro gekommen war, erzählte man ihm von „diesem guten Latin-Pianisten“, der im „Wallace´s“ auftrete. Am Abend besuchte er den kleinen Club. „So habe ich Alon getroffen“, erzählt der gebürtige Brasilianer Joca heute. „Und die Chemie stimmte vom ersten Takt an.“ Immerhin hatte Alon als junger Mann in Costa Rica gelebt und spielte mit dem kubanischen Saxofonisten Paquito D´Rivera preisgekrönte Alben ein. „Er hat diesen starken südamerikanischen Akzent“, freut sich Joca. „Wenn wir zusammen spielen, dann klingt er wie ein Brasilianer." Und so verloren sie sich auch nicht aus den Augen, als Alon nach dem Studium in New York mit Kollegen wie Freddie Hubbard und Ravi Coltrane auf der Szene Fuß fasste. Joca zog derweil in die Nähe seiner Eltern nach Tel Aviv und gründete dort ein eigenes Quartett. Und wann immer sich eine Gelegenheit ergab, trafen sich die beiden zu Konzerten rund um den Globus, als Duo oder auch mit Gästen wie Dave Liebman. Auch ihre Musik nimmt Klänge aus der ganzen Welt auf: aus Südamerika, Afrika und aus dem Nahen Osten. „Musik kennt keine Grenzen“, sagt Alon Yavnai. „Sie kennt verschiedene ästhetische Regeln, die wir Musiker lernen. Aber wir denken ja nicht: Heute spiele ich etwas Latin Jazz und dann was von Bach. Kreative Musik ist doch immer eine Mischung.“ Die NDR Bigband, mit der Alon und Joca jetzt diesen Mix erweitern, gibt ein gutes Beispiel für die kreative Vielseitigkeit, die Alon meint: „Diese Musiker sind offen für jede Art von Musik. Sie spielen jede Woche etwas völlig Neues. Und das spielen sie authentisch: mit all den Erfahrungen, die sie gemacht haben.“

 

NDR Bigband feat. Alon & Joca
Alon Yavnai (p,voc)

Joca Perpignan (perc, voc)