"Wir sind bekannt dafür, tolle Live-Konzerte zu spielen"

Gregor Meyle im Interview - von Antje Haubrock-Kriedel

 

Gregor Meyle im Interview zu seinem Auftritt in Verden.
Fotos (2): Ralf Schönenberg

Mit dem Vox-Format „Sing meinen Song“ startete Gregor Meyle so richtig durch. Seitdem kann der Singer/ Songwriter einen Erfolg nach dem anderen verbuchen. Am 2. Juli tritt Gregor Meyle beim Domplatzfestival in Verden auf. Im Interview spricht er über die Coronazeit, seine Musik und die Anfänge seiner Karriere.


Wie haben Sie als Künstler die Coronazeit erlebt?
Meyle: Verheerend, alle Ideen, die man hatte konnten nicht umgesetzt werden, alle geplanten Konzerte wurden abgesagt. Bei unseren Konzerten stehen 15 Familien dahinter, die nun keine Arbeit mehr hatten. Das war nicht leicht. Auch der Krieg in der Ukraine ist für die Branche verheerend. Wir müssen sehen, wie die Menschen auf diese Situation reagieren. Wir müssen abwarten, ob sie Lust haben auf Konzerte zu gehen, viele haben aber ihre Tickets für die verschobene Tour behalten.


Hatten Sie während der Zwangspause neue Ideen für Songs oder Projekte?
Meyle: Ich habe schon ein paar Sachen gemacht, an meinem neuen Album gearbeitet und ein weiteres Kochbuch geschrieben. Außerdem gibt es in der ARD das neue Format „Playlist of my Life“ mit Jeanette Biedermann. Hier wird auch Livemusik gespielt, das ist eine schöne Mischung.


Was inspiriert Sie zu Ihren Songs, fließen die aktuellen Geschehnisse mit hinein?
Meyle: Alles, was um uns passiert, spielt eine Rolle. Viele Songs, die ich während der Pandemie geschrieben habe, passen auch auf die jetzige Situation, wir gegen ja praktisch vom Regen in die Traufe. Ich hoffe nur, dass der Krieg bald vorbei ist.

 

Worauf dürfen ihr uns bei Ihrem Auftritt in Verden freuen?
Meyle: Ich liebe Musik aus aller Welt. Mein Musik ist von verschiedenen Musikstilen beeinflusst. Das geht von Rock´n´Roll über Jazz, Country bis hin zu brasilianischen Einflüssen, das kann man nicht verallgemeinern. Ich bin dafür bekannt, dass man meine Musik nicht in eine Schublade packen kann. Dazu habe ich eine Weltklasse-Band. Da bin ich richtig stolz drauf. Wir spielen auf unseren Konzerten neue und altbekannte Songs, das wird eine lustige Mischung. Mein neues Album trägt den Titel  Gleichgewicht“. Musiker ist der schönste Beruf der Welt, man ist aber auch viel unterwegs. Berufliches und Privates unter einen Hut zubringen, ist nicht immer leicht.

 

Lieben Sie Liveauftritte oder arbeiten Sie lieber im Studio?
Meyle: Das ist ein kreativer Prozess, das gehört beides zusammen. Ich habe zwölf Jahre als Toningenieur gearbeitet, das hilft mit sehr. Ich liebe es aber auch, den Menschen einen schönen Abend zu bereiten. Wir stehen bei den Konzerten mit zehn Leuten auf der Bühne, das sind alles tolle Musiker. Jeder Ton wird live gespielt, das ist schon eine beeindruckende Geschichte. Wir sind bekannt dafür, dass wir tolle Livekonzerte spielen. Die Menschen am Ende beseelt nach Hause zu schicken ist einfach schön.


Sie haben Ihr eigenes Label Meylemusic. Ist es da einfacher, sich zu verwirklichen?
Meyle: 2009 wollte meine Plattenfirma den Vertrag nicht verlängern. Sie dachten, ich wäre eine Eintagsfliege. Auch keine andere Plattenfirma wollte meine Songs veröffentlichen. Ich habe zu mir gesagt, ich hatte ein Top Ten-Album, ich muss es weiter versuchen. Deshalb habe ich mein eigenes Label gegründet, das hat auch gut funktioniert. Ich brauchte natürlich Mut und Geduld. Aber damals hatte ich noch keine Familie, das machte es leichter. Heute bin ich froh, dass es mit dem eigenen Label so gekommen ist. Der Erfolg kam nach der ersten Staffel „Sing meinen Song“ zurück. Sarah Connor hatte meinen Song gesungen, das war der Katalysator und der Durchbruch. Ich hatte noch viele tolle Songs und wusste von dem Moment an, dass ich für den Rest meines Lebens Musiker bleiben und auch davon leben kann. Ihr Best of Album trägt den Titel „Tutto andrà bene, zu deutsch „Alles wird gut“.

 

Ist das Ihr Lebensmotto?
Meyle: Ja, es gibt auch einen Song auf dem Album, der so heißt. Die Aufnahmen wurden in Neapel mit einem Streichquartett, das von dort stammt gemacht. In Italien war damals noch kein Lockdown. Ich habe dann gesehen, dass auf einem Balkon Bettwäsche hing, auf der stand: „Tutto andrà bene“. Ich finde dass passt zur aktuellen Situation. Man muss durch die schwierigen Zeiten hindurch, die Hoffnung stirbt zuletzt. Es passieren in der Krise auch viele positive Dinge wie die Solidarität in Europa. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschlichkeit siegen wird.


Sie stellen auch ihren eigenen Wein her. Wie ist es dazu gekommen?
Meyle: Das wollte ich schon immer machen. Ich komme aus einer Weingegend und habe früher oft bei der Weinlese geholfen. Während der Pandemie hatte ich dann Zeit. Die Grundweine bekomme ich von einem Winzer. Ich überlege mir, was gut schmecken könnte und mische sie zusammen. Mein Lieblingsrestaurant hat die Weine auf der Karte und sie kommen gut an. Auch die Fernsehköche Tim Mälzer und Nelson Müller schätzen meine Weine. Es geht mir dabei nicht ums Geldverdienen, es ist ein Hobby . Ich habe auch drei Kochbücher geschrieben, ich finde kochen und Wein gehören zusammen. Das letzte Kochbuch mit Noten und Rezepten habe ich zusammen mit der ganzen Band geschrieben. Man kommt viel herum als Musiker, geht in viele Restaurants und hat einen ausgeprägten Geschmackssinn. Die ganze Band kocht gern.


Würden Sie sich als einen Genussmenschen bezeichnen?
Meyle: Ja, das Leben ist zu kurz, um schlechte Weine zu trinken.